Lasst es krachen!

 

 

Ohne sie wären Silvester und andere Feste nur die Hälfte wert: die Feuerwerkskörper. Die meisten kommen aus Ostasien. Allerdings gibt es auch in Deutschland noch einige Traditionsfirmen. Eine davon ist die Firma WECO.

 

Knaller, Böller, Raketen: Für Feuerwerkskörper werden in Deutschland jedes Jahr alleine an Silvester rund 100 Millionen Euro ausgegeben. Der Verkauf ist nur wenige Tage vor dem 31.12. erlaubt. Doch die Entwicklung und die Produktion läuft das ganze Jahr über – auch bei der Firma WECO in Eitorf, 40 Kilometer von Bonn entfernt. Markus Schwarzer, der bei WECO arbeitet, ist die ständige Knallerei schon gewohnt:

 

„Das ist ein Produktionstest. Wir müssen jeden Tag Produktionstests durchführen. Wir wollen ja keine Gammelraketen oder Gammelböller herstellen.“

 

Täglich werden die produzierten Feuerwerkskörper getestet, denn man wolle ja, wie Markus es ausdrückt, keine schlechte Ware auf den Markt bringen, keine Gammelraketen oder Gammelböller. Der Begriff „Gammel“ wird in der Alltagssprache für das verwendet, was keine gute Qualität hat oder schlecht geworden, vergammelt, ist. Basis der Feuerwerkskörper ist Schwarzpulver: Es besteht aus drei Viertel Kaliumnitrat, einem Zehntel Schwefel, der Rest ist Holzkohle.

 

Diese entsteht, wenn trockenes Holz in einem luftdichten Gefäß und ohne Sauerstoffzufuhr, erhitzt wird. Und weil das zu Granulat, zu kleinen Körnchen,verarbeitete Pulver hochexplosiv ist, lagert es am Rande des Betriebsgeländes in einem unterirdischen Bunker. Jeden Morgen holt ein Mitarbeiter die für den Tag benötigte Menge aus dem Bunker. Er verteilt sie auf einige kleine Holzhäuschen, die an eine Hundehütte erinnern und am Rande des Fabrikgeländes liegen. Markus Schwarzer öffnet eine der Hütten und holt einen kleinen Beutel heraus:

 

„Das ist ein sehr hochwertiges Schwarzpulvergranulat, sehr sauerstoffhaltig. Es ist eine sehr hochwertige Holzkohle, eine Lindenholzkohle, drin verarbeitet, die dafür sorgt, dass es sehr scharf abbrennt. Und durch das Prinzip der Verjüngung wie bei ‘ner großen Rakete, bei ‘ner Challenger oder so auch, also durch eine Düse wird quasi ein Auftrieb erzeugt, und dann steigt die Rakete auf. Und diese Produktion des Raketenmotors, die gucken wir uns jetzt als nächste Stelle an.“

 

Markus erklärt, wie bei WECO so eine Feuerwerksrakete hergestellt wird. Es wird nicht nur ein sehr gutes, hochwertiges Schwarzpulvergranulat verwendet, sondern auch eine besondere Holzkohle. Dadurch zündet die Rakete, wenn man das Gemisch anzündet, besser. Sie brennt – wie es Markus Schwarzer formuliert – scharf ab. Wichtig ist allerdings auch noch die Konstruktion. Feuerwerksraketen ähneln dabei großen Raketen und anderen Flugkörpern wie etwa der US-Raumfähre Challenger. Diese haben unten einen breiten Düsenantrieb und werden zur Spitze hin schmaler, sie verjüngen sich. Auf dem WECO-Firmengelände werden im ersten Gebäude neben den Holzhütten aus dem Schwarzpulver Raketenantriebe gepresst. Eine massive Schutzwand teilt den Produktionsraum in zwei Hälften: eine für die Mitarbeiter, eine für die mit Schwarzpulver befüllte Presse:

 

„In diesem Bereich der Treiber-Pressen sieht man eine gigantische Stahlbetonwand in der Front, und der eigentliche Pressvorgang findet hinter dieser Wand statt. Und bevor der Pressvorgang durchgeführt wird, schließt sich eine Sicherheitstür, die sehr dick ist – das heißt, wenn es zu einer Verpuffung kommen sollte, dann passiert das nur im hinteren Bereich der Presse, so dass in dem Bereich, wo sich halt Personen befinden, überhaupt nichts eindringen kann. Das ist also alles massiver Stahlbeton.“

 

Der Produktionsraum für die Raketenantriebe ist durch eine Wand aus Stahlbeton und eine zusätzliche dicke Tür stark gesichert. Und das hat seinen Grund: eine Verpuffung, eine chemische Reaktion, könnte Menschen verletzen. Denn bei dieser Verpuffung wird ein starker Druck erzeugt. Auch die Maschinen in der Feuerwerksfabrik sind strengen Sicherheitsrichtlinien unterworfen. Es dürfen keine Materialien eingebaut sein, die Funken erzeugen könnten. Alles ist aus Aluminium, Kunststoff oder Holz gefertigt. Den Rahmen für den Raketenmotor bilden schwarze Papphülsen.

 

Diese werden von oben mit wenigen Gramm Schwarzpulver befüllt. Eine Presse, die sogenannte Treiber-Presse, drückt das Pulver sehr fest zusammen, damit es schnell und gleichmäßig abbrennen kann. Am unteren Ende der Rakete wird dieses kleine Rohr jetzt von einer sogenannten Düse aus Ton verschlossen. Aus dieser kommen dann – wie bei einer großen Rakete – nach der Zündung die heißen Verbrennungsgase und sorgen letztlich dafür, dass die Rakete abhebt:

 

„Man zündet sie an und sie steigt auf. Sie steigt also oben in den Himmel und erzeugt dann oben in 50 oder 80 Meter Höhe den Effekt.“

 

Die schwarzen Röhrchen mit dem Raketenantrieb haben inzwischen die nächste Station im Produktionsablauf erreicht. Hier werden sie mit etwas größeren farbigen Hülsen verklebt. Auf ihnen steht, was den Käufer des Feuerwerks beim Abschuss erwartet: zum Beispiel „Rakete Zion mit Panorama-Effekt– Verwandlungssterne grün-rot“. Außerdem kommt in die noch nicht ganz fertig gestellte– oder wie es Markus Schwarzer umgangssprachlich sagt – halbfertige Rakete das, was für das Anzünden mit Feuerzeug oder Zündholz wichtig ist:

 

„Gleichzeitig wird eine Zündschnur automatisch in den Treiber eingesetzt, also da wo unten die Düse ist, und es wird auch gleichzeitig diese orangefarbene Zündschnurschutzkappe aufgesetzt. Das Ganze kommt dann hier über dieses Band nach draußen. Und wir haben so einen halbfertigen Raketenkörper, der von hier aus in den nächsten Produktionsbereich gehen kann, nämlich das Befüllen.“

 

Die Zündschnur wird – geschützt durch eine Plastikkappe – eingesetzt. Beim Start brennt erst der Treibsatz aus Schwarzpulver von unten nach oben durch. Dann erreicht die Flamme das eigentliche Herz der Rakete: die bunten Effektsterne. Dazu wird ein winziger Kern, zum Beispiel ein angefeuchtetes Getreidekorn, in Schichten mit metallischen Salzen überzogen. Das sind chemische Verbindungen, deren Grundlage ein bestimmtes Metall ist, das den Farbton bestimmt. So steht das Metall Strontium für die Farbe rot, Barium für grün, Natrium für gelb und Kalzium für orange. Bekommt ein Stern zunächst eine Schicht aus Strontiumsalz, dann eine aus Barium, dann wechselt der Stern seine Farbe beim Abbrennen von grün auf rot. So entstehen Farbspiele, die das Publikum in Staunen versetzen. Diese Effektsterne sehen aber eigentlich ganz unscheinbar aus:

 

„Das sind eigentlich nichts anderes als kleine, schwarze, runde Kügelchen. Die gibt es im Durchmesser von ungefähr einem Millimeter bis zu zweieinhalb Zentimeter. Und diese Effektsterne werden halt entweder lose in die Raketen eingefüllt oder aber man macht daraus sogenannte kleine Feuerwerksbomben.“

 

Für diese Feuerwerksbomben werden viele Sterne in einer größeren Kugel zu besonders eindrucksvollen Lichtspielen zusammengefügt. Arrangiert man die Effektsterne zum Beispiel alle am Außenrand der Kugelschale, dann entsteht beim Abbrennen ein kreisrunder Sternenkranz. So kann auch eine Herzform oder sogar ein mehrfarbiges Gesicht an den Himmel gezaubert werden. Die Raketen vom Typ Zion durchlaufen jetzt den letzten entscheidenden Schritt der Fertigung. Ein etwa 80 Zentimeter langer Holzstab, der sogenannte Leitstab, wird seitlich angeklebt:

 

„Die wichtigste Eigenschaft des Leitstabes ist der Gewichtsausgleich der Rakete beim Aufstieg. Wenn dieser Leitstab nur ein klein bisschen kürzer wäre, würde die Rakete nicht ordentlich fliegen, das heißt, es gäbe ein Ungleichgewicht im Verhältnis Kopflastigkeit und Fußlastigkeit. Und die Rakete würde trudeln. Dieser Leitstab sorgt also in erster Linie dafür – wie der Name schon sagt –, dass die Rakete schön, sauber, gerade aufsteigt.“

 

Dieser Stab dient, anders als viele vielleicht denken, also nicht in erster Linie dazu, die Rakete aus einer Sektflasche heraus abzuschießen. Er sorgt dafür, dass sie gleichmäßig aufsteigen kann und nicht – sich um die eigene Achse drehend – nach unten fällt, trudelt. Auch muss der Stab eine genaue Länge haben, damit die Rakete weder vorne noch hinten zu schwer, also kopf- beziehungsweise fußlastig ist. Am Ende des Produktionsprozesses wird die „Zion“mit einem halben Dutzend anderer Raketen zu einem sogenannten Sortiment verschiedener Feuerwerkskörper zusammengepackt. In jede Packung kommt ein Einlegezettel in Schwarz-Rot-Gold mit der Aufschrift „Made in Germany“.

 

Darauf ist Markus Schwarzer angesichts der starken ostasiatischen Konkurrenz im Pyrotechnik-Markt besonders stolz. Denn die Firma WECO ist eine von nur noch wenigen Traditionsfirmen in Deutschland, die Feuerwerkskörper herstellen. Und jetzt heißt es nur noch: die notwendige Vorsicht beim Zünden der Raketen, Knallkörper und Böller walten lassen! Und: Frohes Neues Jahr!

 

©dw

 

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